Mut zur Lücke oder: Warum Pausen beim Singen auch Musik sind

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Mach` doch mal Pause!

Jaja, wieder so ein kluger Spruch, oder? Und was hat das jetzt eigentlich mit singen oder/und sprechen zu tun?
Ich sag´s Dir!

In meinem Vocalcoaching begegnet mir in 99% aller Fälle immer wieder ein Thema:
Menschen halten Töne (zu) lang aus, sprich: Phrasen(Satz-)endungen werden lang gehalten.

Hast Du schon mal dran gedacht, dass DAS evtl. ein Grund für verschiedene "Problemchen" sein könnte? Vielleicht hast Du z.Bsp. manchmal "Streß" mit einem zu kurzen Atemstrom? Oder Du kommst mit der Rhythmik nicht mit?

Das Thema "zu-lange-(Aus)Halten" mag für Dich jetzt vielleicht banal klingen, isses aber nich`, denn: 


1.) Atemstrom: Lieber einmal zu viel geatmet als einmal zu wenig!

Hältst Du das jeweilige Phrasen- oder Satzende, also sprich das letzte Wort zu lange aus (oder länger als nötig), hast Du oftmals nicht genug Zeit, um in Ruhe die nächste Phrase vorzubereiten und einzuatmen!
Dadurch hast Du unter Umständen für die nächsten Wörter nicht entspannt ausreichend Luft, und wenn Du diese (unbewusste?) Strategie den ganzen Song über fährst, potenziert sich das, und Du kommst immer wieder mal außer Atem und damit auch über kurz oder lang in (Stimm-)Stress.

👉🏻 TIPP: Beobachte Dich beim Singen mal ganz aktiv dahingehend! Wir brauchen Luft zum (gesunden und freien) Singen, und wir dürfen immer dann atmen, WENN wir es brauchen! (Natürlich nicht dreimal im selben Wort, sondern immer mit Blick auf eine sinnvolle Atemgelegenheit.)
Oftmals erzählen mir Menschen im Gesangsunterricht, daß sie sich das so aus dem Chor angewöhnt haben: Da geht es oft darum, Phrasen einfach zu halten und GEMEINSAM wieder einzuatmen. Das mag im Chor auch sinnvoll sein, ABER:
Du singst jetzt solo, Du darfst es Dir auch bequem machen, damit Du besser interpretieren kannst und den Song SO gestalten kannst, wie er für Dich am besten liegt und sich am besten anfühlt! Es gibt keinen Preis zu gewinnen, wenn man Endungen ständig lang aushält. 😉

2.) Körper: Loslassen?

Es ist ja mittlerweile auch kein Geheimnis mehr, dass wir besser und freier singen können, wenn wir körperlich entspannt sind.
Da unser Alltag nun aber (leider!) nicht unbedingt ausschließlich aus reiner Entspannung besteht, ganz im Gegenteil, dürfen wir beim Singen besonders bewusst mit dem Thema "Loslassen" umgehen:
Wenn ich singe, ist die Entspannung das Einatmen! WEIL: Um einzuatmen, muss ich loslassen! Das ist ein ganz natürlicher Reflex des Körpers, da wir sonst sterben würden. Das Einatmen geht also von ganz allein!

👉🏻 TIPP: Magst Du zukünftig einfach mal ausprobieren, beim Singen Deine Einatmung als ein Loslassen/ein Entspannen zu betrachten? Lass´ das mal Deine Spur sein!
Wir singen und sprechen auf der Ausatmung; Luft strömt durch die Luftröhre aus der Lunge nach oben, versetzt unsere Stimmbänder, die sich im Kehlkopf befinden, in Schwingung, und das nehmen wir als zusammenhängenden Ton wahr.

Wenn Du also sehr wenig oder keine Luft mehr zur Verfügung hast, die Phrase/das Wort aber dennoch halten möchtest, musst Du anfangen, Deine Stimme zu pushen, zu "drücken" oder zu "pressen", da die Stimmbänder quasi nicht mehr auf natürliche Weise in Schwingung versetzt werden.
Damit hältst Du fest, baust viel Spannung auf, und DAS überträgt sich auf Deinen ganzen Körper, da es Dich zusätzlich Arbeit, Kraft & Energie kostet. Muskeln werden fest, Du verspannst Dich ...

3.) Interpretation/ Spannung aufbauen - Pausen sind auch Musik!

Wenn Du einen Song zu singen beginnst, ist es dramaturgisch einfach schlau und schön, wenn Du nicht gleich alles in der ersten Strophe verrätst (stimmlich).
Ich meine damit, dass Du erstmal "erzählen" kannst, worum es überhaupt geht.
Wir schlagen das Märchenbuch auf: "Es war einmal im Märchenwald ... ." beginnt es. Das heißt, der Zuhörer darf sich erstmal inhaltlich zurechtfinden und begreifen, fühlen: Worum geht´s in dem Song?
Dafür brauchst Du noch nicht stimmlich auffahren, Töne lang halten usw.- das hebst Du Dir für später auf.
So kannst Du auch easy Spannung erzeugen: Wenn Du am Anfang stimmlich nicht zu viel gibst, hast Du nach oben viel mehr Spielraum, um den Song auch (auch stimmlich) interpretatorisch unterschiedlich gestalten zu können.
(Da spielt natürlich auch die Dynamik eine Rolle: Lautstärke-Variationen als Gestaltungsmittel werden gern mal vernachlässigt. Auch hier spielt die Atmung mit rein: lauter singen bedeutet auch etwas mehr Atem und eine gezielte Atemfluss-Dosierung!)

UND: NICHTS ist spannender als das, was nach einer Pause kommt!
"Pausen sind nämlich auch Musik!" hat meine Gesangslehrerin in der Musikhochschule während meines Studiums immer gesagt. Sie sind essentiell für den Spannungsaufbau, denn der Gegensatz macht´s: Stille ... <><> ... Musik, eines der schönsten Spannungsverhältnisse, wie ich finde! 💫

👉🏻 TIPP: Beginne Deinen Song mal mit einer ersten Strophe, die rein gar nichts mit "schön-singen", also mit dem Fokus auf Deine Stimme und Deinen Stimmklang, zu tun hat! Schaffst Du das?
Wir wollen ja immer gleich alles stimmlich perfekt und schön machen und vergessen dabei oftmals, daß es auch gerade die "einfachen" und ungekünstelten, unverstellten, ECHTEN und damit wahrhaftigen Momente sind, die Magie beinhalten!

Beginne das erste Drittel des Liedes mit dem Fokus auf den Inhalt (!), also die Bedeutung der Wörter. DAS "erzählst" Du. Im Verlaufe des Songs wirst Du bemerken/erspüren, wann der Zeitpunkt kommt - auch spannungstechnisch - an dem Du mehr Stimme geben kannst, Töne länger hältst.
Sei dafür in Kontakt mit Deinem Bauchgefühl, komm` ins Spüren!

Ich wünsche Dir viel Freude beim Ausprobieren! Schreib` mir gern, wie es für Dich funktioniert hat.

Viel Lichtvolles,
Sabine

PS: Das Thema "Einatmen, ausatmen" und Übungen dazu findest Du übrigens auch in meinen 10 Tipps zum sofort-besser-Singen!

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